Von der grauen Maus zur Unternehmerin

Die schüchterne Quereinsteigerin 

Birgit (Name verändert) kam aus einem Pflegeberuf und wollte sich verändern. Sie bekam die Chance, eine Wäscherei zu übernehmen. Birgit überlegte nicht lange und wagte diesen großen Schritt vom Angestelltenverhältnis zum eigenen Betrieb. Nach einer erfolgreichen Übernahme, etlichen Schulungen und der Einstellung neuer Mitarbeiter war der Einstieg erstmal perfekt. Birgit arbeitete hart für ihren Betrieb, es gab keine Abende, an denen sie vor 22 Uhr nach Hause kam. Das zehrte an ihrer Substanz. 

 

Die Fluktuation

Der Betrieb war hohen Schwankungen ausgesetzt. Mitarbeiter kündigten. Neue Mitarbeiter mussten angelernt werden. Das Betriebsklima war auch mal besser. Großkunden bezahlten ihre Rechnungen nicht. Das Kapital für die Auszahlung der Gehälter war aufgebraucht. Maschinen gingen kaputt. Aufträge waren rückläufig. Ein ständiges Auf und Ab, welches sich auch bei Birgits eigener Gesundheit bemerkbar machte. Die anfängliche Ephorie war verpufft.

 

Meine Diagnose: Das Mauseloch

Ich betrat den Betrieb kurz vor dem 3-jährigen Firmenjubiläum und sah nur Chaos. Als ich das Büro betrat, dachte ich, ich sei hier falsch. Es war kein typisches Büro, es glich einer Abstellkammer. Die Unternehmerin musste man suchen. Ich ging in den Raum und sah nur Regale mit gefalteter Wäsche, überall. Sowie einen zwei Meter hohen Schrank, der mitten im Raum stand, dahinter saß sie. Wie in einem Mauseloch, völlig versteckt und eingeengt. Die Atmosphäre war eine Mischung aus bedrückend und dunkel. Wollte man hier etwa Vertreter empfangen? Ich hörte ihre Stimme, die mich zu ihr lotste, hinter den Schrank! Dort war ein Schreibtisch vor der Wand aufgebaut und überall türmten sich Papierberge. Ich war schockiert. Das sah sie mir an und sagte, sie habe keine andere Möglichkeit, als hier ihr Büro aufzubauen. Ich fragte sie, was sie sich wünsche und ob sie mir den Betrieb und ihre Mitarbeiter vorstellen könne. Ihre Wünsche konnte sie sofort definieren: Sie wollte Ruhe haben und Platz, eine gute Übersicht und Ordnung sowie Mitarbeiter, die sich wohl fühlen. Nach unserem Gespräch zeigte sie mir den Betrieb, die Abläufe und die Mitarbeiter.  

 

Der nicht genutzte Raum

Nachdem wir die Betriebsbesichtigung abgeschlossen hatten, sagte sie zu mir: "Komm mit, ich habe noch einen Raum von meinem Vermieter zur Verfügung gestellt bekommen, aber ich brauche ihn nicht." Wir gingen einige Treppen hinauf, und dort war ein Raum, der hell, freundlich und groß war. Ich war sofort begeistert und sagte ihr: "Das ist dein neues Büro!" Sie schaute mich entsetzt an: "Nein, hier kann ich nicht arbeiten, das ist doch viel zu weit weg vom Betriebsgeschehen."

 

Die neue Struktur

Nach unserer Betriebsbesichtigung, erarbeitete ich für Birgits Wäscherei ein Raumkonzept. Bei unserem zweiten Treffen stellte ich ihr die neue Struktur vor, die Arbeitsabläufe und die Gestaltung der Räume. Sie war sprachlos, und als sie wieder Luft bekam, antwortete sie: "Das ist ja eine große Veränderung mit wenig finanziellem Einsatz. Wow, hätte ich nicht gedacht! Ich hatte schon Angst vor den nächsten großen Ausgaben."

 

Die Mitarbeiterrunde

Birgit verkündete ihre neue Struktur sofort ihren Mitarbeitern und fragte, ob alle damit einverstanden seien, dass sich die Räumlichkeiten verändern werden. Es soll ein neuer Pausenraum entstehen, in dem jeder seinen eigenen Platz finden wird, und das Büro wird etwas abseits gelegen sein. Ebenso werden die Laufwege und Zuständigkeiten optimiert. Die Mitarbeiter waren begeistert und fragten, ob sie mithelfen dürften bei der Umsetzung. So wurde ihr auch die Frage beantwortet, wie sie das alles alleine schaffen sollte. Ihre Angst löste sich auf, und es entstand ein Gemeinschaftsgefühl. 

 

Die neue Struktur

Die komplette Umsetzung dauerte einen Tag. Es wurden Möbel gerückt, Regale gebaut, Wände gestrichen, und danach gab es ein gemeinsames Abendessen. Echtes Teamwork eben! Der erste Tag im neuen Büro war für Birgit magisch. Die Atmosphäre im gesamten Betrieb war hell, freundlich und großzügig. Birgit war voller Stolz, in ihrem Büro Lieferanten- und Kundengespräche führen zu können. Die Mitarbeiter hatten endlich einen Pausenraum, in dem jeder sitzen und sich erholen konnte.

  

Das Firmenjubiläum

Das 3-jährige Bestehen musste gefeiert werden. Die Kunden sahen sofort eine Veränderung und lobten die Unternehmerin. Die Veränderung machte sich in allen Bereichen bemerkbar. Die Aufträge wurden mehr. Durch die neu geschaffene Struktur konnten alle Aufträge zeitnah bearbeitet werden. Die Kundenzufriedenheit stieg immens an, somit verdoppelte sich sogar Birgits Kundenstamm, und neue Mitarbeiter wurden eingestellt.

 


„Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun

und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Albert Einstein